1. Juni 2020

 

Tief gespalten

 

„America what the fuck is wrong with you?” Diese Frage, geschrien von schwarzen Amerikanern im Konflikt mit der Staatsmacht in Minneapolis, ist bezeichnend für die Situation des ganzen Landes. Der Tod des Afroamerikaners George Floyd hat schwere Unruhen in den ganzen USA ausgelöst, ist zu einem Flächenbrand geworden. Jetzt kommt sie raus, die Wut über den Rassismus  der Polizei aber auch der ganze Frust  über eine wirtschaftliche Situation, ausgelöst oder verstärkt von der Coronakrise, die Millionen Amerikaner arbeitslos gemacht hat. Dass in den Staaten Bürgerkrieg zu herrschen scheint, hat auch mit dem miserablen Management der Regierung und ihres großmäuligen Chefs zu tun. Floyds Tod war nur die Lunte, die längst gelegt war. Jetzt kommt zum Ausbruch, dass sich ein großer Teil der Gesellschaft diskriminiert und ausgegrenzt fühlt. Wer das im ganzen Land ausgebrochene Feuer schürt, ob es linke oder rechte Gruppierungen sind, ist aus der Entfernung schwer zu sagen. Für Präsident Trump aber ist klar: Die linksradikale Antifa steckt hinter den Unruhen. Er droht den Demonstranten und versucht es erst gar nicht mit Deeskalation. Wie kein Präsident vor ihm setzt er weiter auf Spaltung. Angriff ist Teil seiner Strategie. Ob sie aufgeht, wird sich bei der Wahl im November zeigen. Im Moment gleichen die USA mit Eruptionen der Gewalt in New York, Los Angeles oder Atlanta, Dallas oder Louisville einem brodelnden Vulkan. Mit Nationalgardisten wird der Konflikt nicht zu lösen sein, wenn immer mehr Öl ins Feuer gegossen wird. Es reicht eben nicht, gebetsmühlenartig Größe und "America first" zu proklamieren, sich dabei von einem Großteil der Bevölkerung, ja der ganzen Welt abzuwenden. Amerika ist tief gespalten. Das hat Trump erreicht, und das ist es, „what the fuck is wrong“. Reiner Trabold