Ein bisschen italienisch

fotos copyright: regina trabold
fotos copyright: regina trabold

NACH TISCH

 

 

Die Bedienung ist ehrlich. Keinen blassen Dunst von Wein habe sie. Dafür von Kaffee. Früher Barista. Immerhin etwas. „Thilio“, Wirt im Bistro am Berliner Ring, ist nicht da, dafür ein Koch, der freilich nicht kocht. Er wärmt auf, was dem Gast als „unsere Pastagerichte“ angeboten wird. Nein, nicht selbstgemacht alla casalinga, sondern „frisch in einer von uns ausgesuchten Manufaktur hergestellt“. Nun. Die stattliche Portion Ravioli (wohl nicht manu faktum = von Hand gemacht) mit einer Füllung aus Feige und Ziegenkäse (hört sich gut an, ist aber geschmacklich kaum wahrnehmbar) samt kleinem Salat (selbst das Dressing schmeckte nicht wie selbstgemacht), Pesto und Parmesanspänen kostet 9.50 Euro.

 

Ich nehme zu den Ravioli ein Glas Merlot (0,2 l zu 6 Euro). Aus der Toskana, wie die junge Frau weiß. Merlot aus der Toskana? Dass Merlot eine französische Traube ist, auch in der Toskana wächst, kann sie sich denken: oder sagen wir erraten. Viel mehr auch nicht. Lieber noch einen Kaffee? Nein, lieber Espresso. Der kommt in den Tässchen des Vorbesitzers. Andenken an den glücklosen „Gorillah“. Das Dessert, ein „Cannello“ (Röhrchen) mit einer Zitronencreme gefüllt, reißt es raus. Schmeckt sogar ein bisschen italienisch. Das Eis aus der Gefriertruhe (2.70 Euro) könnte es in einem Imbiss in Italien genauso geben. Im Rauschen des Verkehrs auf dem Berliner Ring fehlen die knatternden Vespas. Es gibt Mixgetränke, Shakes für alle, die es mögen.  Insofern scheint mir „Thilio“ für den kleinen schnellen Hunger phlegmatisch und daher italienisch genug. Ganz ehrlich. Reiner Trabold

 

 

 

*)Noch eine Pasta steht auf der Karte: „Rote-Bete-Gnocchi“. „Fleisch“ ist zweimal Angebot. Einmal als 200-Gramm-Bulette (7.90 Euro), gefüllt mit Teriaki und Cranberrys. Thilios Premium Currywurst (8.90 Euro) mit „hausgemachter Currysoße“ klingt wenig italienisch. Probier ich vielleicht beim nächsten Besuch.  Reiner Trabold