16. April 2021

 

Hütter adé

 

Das kann kein Zufall sein. Wenige Tage vor dem Spiel der Eintracht gegen Borussia Mönchengladbach wird bekannt, was bisher nur gemunkelt wurde. Trainer Hütter hütet sein Geheimnis - und in der nächsten Saison die Fohlen. Wir erinnern uns: Als amtlich wurde, dass Borussen-Trainer Rose nach Dortmund geht, stürzte seine Mannschaft von der Tabellenspitze ins Mittelmaß. Steht das jetzt auch der Eintracht bevor? Dass der mit seiner Eintracht so erfolgreiche Hütter vor dem Einzug  in die Champions League die Diva vom Main verlässt, ist schwer zu begreifen. Genauso unverständlich, dass Sportvorstand Bobic ausgerechnet jetzt nach Berlin, Sportdirektor Hübner in den Ruhestand geht. Totalausverkauf. Und da ist über die Mannschaft noch nicht geredet. Mir fallen einige Spieler ein, die in der Siegesserie Profil gewonnen haben, aber ebenfalls abwandern werden, falls das mit der Königsklasse nichts wird. Wofür unter den gegebenen Umständen einiges spricht. Es ist noch nicht lange her, da versprach Borussen-Chef Eberl im Aktuellen Sportstudio noch, er werde Roses Nachfolger nicht in der Bundesliga einkaufen. Glatt gelogen. Da hatte er Hütter schon rumgequatscht. Dass er nicht den einen oder anderen Frankfurter mit auf den Bökelberg nehmen wird, glaubt ihm erst recht keiner mehr. Nur wenn der Adler gegen Gladbach die Krallen ausfährt und gewinnt, wird der Rose-Effekt zu vermeiden sein. In den USA nennen sie einen Präsidenten, der nicht mehr antritt, aber noch im Amt ist, „lame duck“. Eine lahme Ente hätte der so beherzt aufspielenden Mannschaft erspart werden müssen. Hütter, der bislang seinen Wechsel mit beredtem Schweigen dementierte, sollte seine Koffer packen, sich möglichst schon morgen an den Niederrhein verabschieden. Schleich di. Reiner Trabold

 

 

9. April 2021

 

Putins Dosen

 

Jetzt also doch. Am besten wär’s, Sputnik über die Pipeline Nordstream direkt zu injizieren. Nachdem sogar der Bayer Söder auf den russischen Impfstoff setzt und – in der Not - auch andere mit dem Vakzin des Erzfeindes liebäugeln, scheinen die Schleusen geöffnet. Wurde ja auch Zeit. Ich frage mich: Warum wurde der Sputnik V nicht von Anfang an von der EMA geprüft? Das Zeug könnte längst gespritzt werden. Auch ich, der mehrfach vorerkrankte Vulnerable, hätte meine Dosis. Naja, man kann nicht alles haben. Dafür herrscht jetzt von Nord bis Süd, von Ost bis West eine so konfuse Diskussion um das weitere Vorgehen, dass es dem Beobachter schwindlig wird. Die Republik verstrickt sich in sich selbst. Kein Talk mehr ohne inzwischen bestens bekannte Virologen. Sie dringen auf mehr Entschlossenheit. Die Politik würde gern lockern, ist aber überfordert, die notwendigen Bedingungen zu schaffen: Die Impf-Bürokraten sind fast so hinderlich wie die Tatsache, dass es an Stoff fehlt. Schüler sollen wieder in den Unterricht, doch es mangelt an Tests. Die sparen sich noch immer viele Unternehmen und gehen ein hohes Infektionsrisiko für ihre Angestellten ein. Wie schlecht der Kampf gegen die Seuche organisiert ist, zeigt das Beispiel Dieburg. Was haben sich die Verantwortlichen in Wiesbaden eigentlich dabei gedacht, als sie die Kreisstadt zur Modellstadt erklärten, um das Testen zu testen? Läden und Kneipen sollten all denen offenstehen, die sich als negativ ausweisen konnten. Die Geschäftswelt war bereit. Viel zu spät wurde festgestellt, dass das zuständige Gesundheitsamt gar nicht in der Lage ist, den gewagten Schritt mitzugehen. Blamabel. So reiht sich eine Panne an die andere. Und während der Streit um Shut- oder Lockdown im Vorfeld der Wahlen eskaliert, hoffen wir auf Putins Dosen. Nastrovje wünscht Reiner Trabold