1. Dezember 2019

 

Im Haifischbecken

 

Was soll ich davon halten? Pfungstadt will sein Freizeitareal im Süden endgültig sausen lassen, damit sich die Brauerei ein neues Quartier suchen kann? Nichts halte ich davon. Klar, der Braten riecht gar zu verlockend. Ein Investor bebaut das wenig attraktive Gelände des innerhalb kürzester Zeit vom stolzen Vorzeigeunternehmen zur Klitsche verkommenen Bierbrauers zu einem Schmuckkästchen mit Hotel und allen möglichen Kommoditäten um und reinvestiert das daraus gewonnene Kapital in eine moderne Brauerei. Warum erinnert mich das alles an die überzeichneten Zukunftsbilder eines Freizeitparks mit riesigem Saunabetrieb, aus dem – oh Wunder – das marode Schwimmbad aus sich selbst gesunden könnte? Was aus dieser Laus im Pelz der Stadt geworden ist, kann sich jeder selbst ansehen. Nur gut, dass Wald dieses Trauerspiel weitgehend verhüllt. Vergessen sollte es keiner, der sich Städterplaner schimpft.  Die Pfungstädter Brauerei hat die Zeichen ebenso wenig erkannt wie vor Jahren der Bieberauer Biermacher Rolf Schönberger, der letztendlich froh sein konnte, bei der Pfungstädter Brauerei ein Gnadenbrot zu erhalten. Auch er wollte nicht wahrhaben, dass das Rennen im Alleingang nicht mehr zu gewinnen ist. Was der frühere Brauereischef Peter König viele Jahre lang predigte, dass es im Haifischbecken der Bierkonzerne nur mit regionaler Gemeinsamkeit ein Überleben gibt, wollte in Pfungstadt keiner beherzigen. Das Modell Missmanagement wiederholt sich. Schon die dauerhafte Schließung des Freibads war ein Sündenfall für eine Stadt, die sich aufschwingt, den Hessentag 2023 auszurichten. Wahrscheinlich mit der Hauptattraktion eines Haifischbeckens, in dem die Stadt selbst schwimmt. Nicht als Hai, sondern als Beute. Reiner Trabold